Hörsturz
Aktualisiert am 22.09.26
Ein Hörsturz bezeichnet eine plötzlich auftretende Hörminderung, die meist nur ein Ohr betrifft und für die sich zunächst keine eindeutige Ursache feststellen lässt. Die Hörminderung kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und in seltenen Fällen bis zur Ertaubung des betroffenen Ohres reichen. Häufig treten zusätzlich Ohrgeräusche (Tinnitus), ein Druckgefühl im Ohr oder Schwindel auf.
Da auch andere Erkrankungen eine plötzlich auftretende Hörminderung verursachen können, sollte ein Hörsturz zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Bei vielen Betroffenen bessert sich das Hörvermögen spontan wieder. Es können jedoch auch dauerhafte Hörschäden zurückbleiben. Je stärker die Hörminderung zu Beginn ausgeprägt ist, desto größer ist das Risiko für bleibende Einschränkungen.1
In diesem Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:
- Hörsturz oder Schwerhörigkeit?
- Ursachen
- Risikofaktoren
- Symptome
- Diagnose
- Behandlung
- Nachsorge
- Hörsturz vorbeugen
Hörsturz oder Schwerhörigkeit?
Ein Hörsturz unterscheidet sich von einer herkömmlichen Schwerhörigkeit vor allem durch sein plötzliches Auftreten und die meist fehlende erkennbare Ursache. Eine Schwerhörigkeit kann dagegen unterschiedliche Ursachen haben und sowohl schleichend als auch plötzlich entstehen. Je nach Ursache können auch bei einer Schwerhörigkeit weitere Beschwerden wie Tinnitus, Druckgefühl im Ohr oder Schwindel auftreten. Ein Hörsturz selbst ist eine Form der plötzlich auftretenden Hörminderung und kann zu einer länger anhaltenden Schwerhörigkeit führen.
In der fachärztlichen Diagnostik kann mithilfe verschiedener Untersuchungen festgestellt werden, welche Art der Hörstörung vorliegt und wie stark das Hörvermögen beeinträchtigt ist.
Ein Hörsturz ist kein Tinnitus
Immer wieder wird der Hörsturz mit einem Tinnitus verwechselt. Richtig ist, dass auch ein Tinnitus, also ein Ohrgeräusch, mit einem Druck- oder einem dumpfen Empfinden im Ohr einhergehen kann. Ein Tinnitus kann sowohl bei normalem Hörvermögen als auch zusammen mit einer Hörminderung auftreten. Typische Ohrgeräusche sind beispielsweise Pfeifen, Brummen oder Rauschen.
Beim Hörsturz kommt es hingegen zu einer plötzlich auftretenden Hörminderung. Dabei können bestimmte Frequenzbereiche oder das Hörvermögen insgesamt betroffen sein. Häufig tritt zusätzlich ein Tinnitus auf. Dennoch handelt es sich bei Hörsturz und Tinnitus um zwei verschiedene Beschwerdebilder.
Der Hörsturz in Zahlen: Wie viele Betroffene gibt es?
Schätzungen zufolge treten in Deutschland jährlich etwa 160 bis 400 Fälle von Hörsturz pro 100.000 Personen auf.2 Eine genaue Zahl lässt sich nur schwer feststellen, da manche Betroffene keinen ärztlichen Rat einholen, wenn sich die Beschwerden innerhalb kurzer Zeit von selbst wieder zurückbilden.
Ein Hörsturz kann in jedem Alter auftreten. Besonders häufig sind Erwachsene um das 50. Lebensjahr betroffen.3 Männer und Frauen erleiden etwa gleich häufig einen Hörsturz.4 Bei Kindern tritt ein Hörsturz nur selten auf.5
Ursachen
Wie entsteht ein Hörsturz?
Ein klassischer Hörsturz tritt ohne eindeutig erkennbare Ursache auf. Die genauen Entstehungsmechanismen sind bislang nicht vollständig geklärt. Vermutlich kommen bei einem Hörsturz verschiedene Faktoren zusammen. Als mögliche Entstehungsmechanismen werden unter anderem Veränderungen der Durchblutung im Innenohr, entzündliche oder virale Prozesse sowie Reaktionen des Immunsystems diskutiert. Einen einzelnen Auslöser konnten Forschende bislang nicht eindeutig nachweisen.
Blick ins Ohr: Was passiert bei einem Hörsturz genau?
Beim Hören werden Schallwellen über den Gehörgang zum Trommelfell geleitet. Von dort werden die Schwingungen über die Gehörknöchelchen des Mittelohrs an das Innenohr weitergegeben. In der Hörschnecke werden sie in elektrische Signale umgewandelt und über den Hörnerv an das Gehirn weitergeleitet.
Bei einem Hörsturz ist dieser Vorgang im Bereich des Innenohrs beziehungsweise der Hörwahrnehmung gestört. Dadurch können Schallsignale nicht mehr richtig verarbeitet und an das Gehirn weitergeleitet werden. Welche Vorgänge dabei genau gestört sind, ist bislang nicht eindeutig geklärt.
Risikofaktoren
Welche Risikofaktoren gibt es?
Die genauen Ursachen eines Hörsturzes sind bislang nicht bekannt. Auch die möglichen Risikofaktoren sind noch nicht vollständig geklärt. Hinweise gibt es unter anderem darauf, dass Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum das Risiko für einen Hörsturz erhöhen können.6 Auch bestimmte erbliche Veränderungen der Blutgerinnung sowie die Einnahme einiger entzündungshemmender Schmerzmittel werden als mögliche Risikofaktoren diskutiert.7
Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung und dem Verzicht auf das Rauchen ist grundsätzlich empfehlenswert. Eine gezielte Vorbeugung gegen einen Hörsturz ist damit jedoch nicht möglich, da sich ein Hörsturz auch ohne erkennbare Risikofaktoren entwickeln kann.
Symptome
Wie macht sich ein Hörsturz bemerkbar?
Ein typischer Hörsturz geht mit einer plötzlich auftretenden, meist einseitigen Hörminderung einher. Dabei muss es sich nicht um eine völlige Taubheit handeln. Die Hörminderung kann sich auch nur auf bestimmte Tonfrequenzen beschränken. Betroffene nehmen Töne dann beispielsweise verändert oder gedämpft wahr.
Ein Hörsturz verursacht typischerweise keine Schmerzen. Treten gleichzeitig Ohrenschmerzen auf, können auch andere Ursachen für die Hörminderung infrage kommen. Neben der Hörminderung können weitere Beschwerden auftreten, die jedoch nicht bei jedem Betroffenen vorkommen.
Kernsymptome
- plötzlich auftretende einseitige Hörminderung bis hin zum vollständigen Hörverlust
- veränderte Tonwahrnehmung
- Druck- oder Völlegefühl im betroffenen Ohr
Begleitsymptome
- Tinnitus
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
Ein Tinnitus tritt bei einem Hörsturz häufig zusätzlich auf. Dabei können beispielsweise Pfeifen, Brummen oder Rauschen wahrgenommen werden. Auch Schwindel oder ein Druckgefühl im betroffenen Ohr können mit einem Hörsturz einhergehen. Die Beschwerden können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und müssen nicht gemeinsam auftreten.
Diagnose
Wie wird ein Hörsturz festgestellt?
Bei einem plötzlich auftretenden Hörverlust sollte die Ursache möglichst zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Zunächst muss ausgeschlossen werden, dass eine andere Ursache für die plötzlich aufgetretene Hörminderung verantwortlich ist.
Otoskopie
Im Rahmen der Otoskopie wird der Gehörgang mithilfe eines Otoskops untersucht. Dabei kann der Arzt den Gehörgang und das Trommelfell beurteilen und beispielsweise feststellen, ob ein Ohrenschmalzpfropf oder andere Veränderungen vorliegen, die eine Hörminderung verursachen können. Die Otoskopie selbst gibt keinen Aufschluss darüber, wie stark das Hörvermögen eingeschränkt ist.
Tympanometrie
Bei der Tympanometrie wird die Funktion des Mittelohres untersucht. Dazu wird eine kleine Sonde in den Gehörgang eingesetzt, die diesen luftdicht abschließt. Anschließend werden der Druck im Gehörgang und die Beweglichkeit des Trommelfells gemessen. So können unter anderem Veränderungen des Mittelohres erkannt werden. Die Untersuchung gibt dagegen keinen direkten Aufschluss über die Funktion des Innenohres.
Audiometrie
Die Audiometrie, auch Tonaudiometrie genannt, dient dazu, das Hörvermögen zu bestimmen. Der Patient trägt Kopfhörer und bekommt Töne unterschiedlicher Lautstärke und Frequenz vorgespielt. Sobald ein Ton wahrgenommen wird, gibt der Patient ein Signal. Auf diese Weise lässt sich feststellen, in welchen Frequenzbereichen eine Hörminderung besteht und wie stark sie ausgeprägt ist.
Messung der otoakustischen Emissionen
Otoakustische Emissionen sind sehr leise Schallsignale, die im Innenohr entstehen und mit einer Sonde im Gehörgang gemessen werden können. Die Untersuchung gibt insbesondere Hinweise darauf, wie gut die äußeren Haarzellen in der Hörschnecke funktionieren. Sie kann damit zusätzliche Informationen über die Funktion des Innenohres liefern.
Hirnstammaudiometrie
Bei der Hirnstammaudiometrie, auch BERA genannt, werden elektrische Reaktionen der Hörbahn auf akustische Reize gemessen. Dazu werden Elektroden auf der Kopfhaut angebracht, während über Kopfhörer oder Ohrstöpsel akustische Reize dargeboten werden. Die Untersuchung kann Hinweise darauf geben, ob die Weiterleitung der Hörsignale vom Innenohr in Richtung Hirnstamm beeinträchtigt ist. Sie wird je nach Fragestellung eingesetzt und ist nicht bei jedem Hörsturz erforderlich.
Bildgebende Verfahren
Bildgebende Verfahren sind nicht bei jedem Hörsturz notwendig. Je nach Befund und Verlauf kann insbesondere eine Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt werden, um andere Ursachen einer einseitigen Hörminderung auszuschließen. Welche weiteren Untersuchungen erforderlich sind, hängt vom individuellen Befund ab.
Therapie und Behandlung
Wie kann ein Hörsturz behandelt werden?
Da sich die genaue Ursache eines Hörsturzes meist nicht feststellen lässt, gibt es keine gezielte Behandlung, die das Hörvermögen in allen Fällen zuverlässig wiederherstellt. Häufig kommen entzündungshemmende Glukokortikoide wie Kortison zum Einsatz. Sie können als Tabletten, als Infusion über eine Vene oder als Injektion in das Mittelohr verabreicht werden. Welche Form der Behandlung infrage kommt, hängt unter anderem vom Ausmaß der Hörminderung, den betroffenen Frequenzbereichen und möglichen Grunderkrankungen ab.
Bei einer leichten Hörminderung und gutem Sprachverständnis kann unter Umständen auch zunächst der natürliche Verlauf abgewartet werden.
Hyperbare Sauerstofftherapie
Die Behandlung kann bei einem Hörsturz in bestimmten Fällen zusätzlich zu einer Kortisontherapie angeboten werden. Ob sich damit das Hörvermögen zuverlässig verbessern oder der Hörsturz heilen lässt, ist jedoch bislang nicht eindeutig belegt.
Alternative Behandlungsansätze
Für homöopathische Mittel, Bachblüten oder andere alternative Verfahren ist keine zuverlässige Wirksamkeit zur Behandlung oder Vorbeugung eines Hörsturzes belegt. Bei einer plötzlich auftretenden Hörminderung sollte deshalb nicht versucht werden, die Beschwerden ausschließlich selbst zu behandeln. Eine zeitnahe ärztliche Abklärung ist wichtig, da auch andere Erkrankungen die Ursache sein können.
Nachsorge
Nach einem Hörsturz kann es sinnvoll sein, das Hörvermögen nach Abschluss der Behandlung erneut kontrollieren zu lassen. Auch etwa sechs Monate nach dem Hörsturz kann ein weiterer Hörtest sinnvoll sein.8 Bleibt eine Hörminderung bestehen, können je nach Ausmaß weitere Maßnahmen wie eine Rehabilitation oder ein Hörgerät infrage kommen.
Hörsturz vorbeugen
Lässt sich einem Hörsturz gezielt vorbeugen?
Einem Hörsturz lässt sich nicht zuverlässig vorbeugen, da die genauen Ursachen bislang nicht bekannt sind. Grundsätzlich ist eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung empfehlenswert. Sie kann das allgemeine Risiko für verschiedene Erkrankungen verringern, bietet jedoch keinen sicheren Schutz vor einem Hörsturz.
Wer raucht, sollte möglichst auf das Rauchen verzichten. Rauchen wird als möglicher Risikofaktor für einen Hörsturz angesehen. Auch übermäßiger Alkoholkonsum kann das Risiko möglicherweise erhöhen.
Bei bestehenden Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes ist es sinnvoll, diese ärztlich behandeln und regelmäßig kontrollieren zu lassen. Dadurch lässt sich die allgemeine Gesundheit fördern, ein Hörsturz kann damit jedoch nicht sicher verhindert werden.
Quellen
1-8https://gesund.bund.de/hoersturz (Link zuletzt aufgerufen am 21.09.2026, 13:15 Uhr)